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Mein Weg zur Swiss-Ultra Deca WM in die Schweiz

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Seit gut 20ig Jahren betreibe ich intensiven Ausdauersport in den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Mein Einstiegsbewerb im Triathlon war eigentlich gleich der Ironman in Klagenfurt 3,8 km swim; 180 km bike; 42,195 run. Kraulkurs und Fahrradkauf fanden erst ein halbes Jahr davor statt. Meine Vorbereitung auf das Event war trotzdem sehr gut und mit viel Respekt. Als Rookie finishte ich in der Klasse M45 mit einer Zeit von 11:36.34 was auch den weiteren Verlauf meines Sportlerleben entschieden hat. Es folgten weitere 9 Teilnahmen beim IM in Klagenfurt sowie unzählige Teilnahmen in verschiedenen Distanzen, 24 Std schwimmen, laufen und radeln. So und dann kam was kommen musste. In Bad Blumau gabs 2017 einen Triple Ironman, der an mir nicht vorbeigehen durfte. Angemeldet gestartet und nach 45 Stunden gefinisht. Im Jahr 2018 gabs eine Wiederholung. So und jetzt gabs noch für mich realistisch einen Quintuple (5 Fach IM) anzustreben, der auch prompt 2019 in Blumau stattfand und ich in einer Zeit von 103:15.36 die 19 km swim, 900 km bike und 211 km run finishen konnte. Danach wurde mir immer mehr klar, dass ich eigentlich je länger desto besser für mich beanspruchen darf. Im Jahr 2020 gabs auf Grund der Pandemie weniger Bewerbe. Beim 24 Stundenlauf in Blumau wurde die Idee geboren einen Deca (10 Fach IM) 2021 zu veranstalten.  Prompt kam die Meldung vom Veranstalter das die Anmeldung dafür freigeschalten ist. Das heißt anmelden.

Trainingsvorbereitung ab 01.11.2020

Neben dem speziellen Training auf dem Spinning Rad machte ich auch Bergwanderungen und Schitouren die sich sehr gut im Training mit einbauen liesen. Die km Leistung am Spinning Rad ergab bis März 10.000 km, die Laufleistung bis Mai mit 20 Trailrun-Einheiten, die im Schnitt 55 km lang waren, ca. 2700 km. Schwimmen habe ich eher vernachlässigt aber auch so an die 50 ig Stunden waren es doch. Mitte Mai 2021 kam dann die Nachricht das der Deca in Blumau aus Pandemie – Gründen nicht stattfinden kann und auf 2022 verschoben wird. Also da hats mir schon den Boden unter den Füssen weggezogen. Absturz in ein tiefes Loch. Alternative gibt’s nicht. Ziel weg. Der Weg in die Berge und ein 24 Stundenlauf motivierten mich aber wieder rasch an meinem Ziel festzuhalten und mit 1. November 2021 wieder intensives Training als Vorbereitung für 2022 aufzunehmen. Ein toller Schitourenwinter, 2800 Lauf km sowie 11.000 km am Spinning Rad. Die gleiche Sitzposition wie bei meinem Zeitfahrrad machten es möglich das ich meine Ausfahrten im Freien gleich mit über 200 km Einheiten beginnen konnte. Ich sage einmal optimale Vorbereitung. Aber es sollte alles anders kommen. Schon im April kam wieder die Absage aus Blumau. Natürlich wieder ein Schock für mich. Aber jetzt muss eine Alternative her und das Ding gehört erledigt. Die Swiss-Ultra-Deca-WM im August wäre eine Möglichkeit. Nach Anfrage um einen Startplatz wurde mir eine Zusage erteilt. Nach Überweisung von 3300 Schweizer Franken bin ich offiziell angemeldet und scheine auch auf der Starterliste auf. So, nach einem kleinen Durchhänger gabs für mich nix mehr was mich hindert die Trainingsvorbereitungen weiterzuführen und meinen Traingshöhepunkt um zwei Monate nach hinten zu verschieben.  Die Schwimmeinheiten häuften sich mit 6 km Distanzen in einer moderaten Schwimmzeit von ca. 2:20 auf 100m, das ist eben der Bereich, den ich glaube, auch auf längere Strecken schwimmen zu können. Die Radeinheiten gingen Großteils über die 300 km und waren dann auch Grundlage für die Ausdauer. Es war für mich immer wichtig die Trainingseinheiten in einem Wohlfühlbereich durchzuführen, sodass keine Regenerationszeiten entstehen und ich am nächsten Tag auch in der Lage war Ausdauersport zu betreiben. Das macht für mich Ultrasport aus.  Die Laufeinheiten wurden kürzer und bewegten sich so bei 30 ig km. Anfang August habe ich mein wirkliches Vorbereitungstraining abgeschlossen und meine Fenix zeigte Höchstform im Aeroben Bereich an. Die restliche Zeit verbrachte ich mit täglichen kurzen Läufen, Schwimm und Radeinheiten.

13. August 2022 Anreise in die Schweiz

Um 06:00 Uhr war es so weit. Vollbepackt mit Zelt (3×3), Rad, Zubehör, Ersatzteile, Neo, Heizstrahler, Schuhtrockner, Sportwäsche, Dokumente, Verpflegung. Nach ca. 8 Stunden Ziel Buchs St. Gallen Schweiz erreicht. Im Start-Zielbereich waren schon die Zelte aufgebaut und mit Namen Nationalität und Startnummer versehen. So jetzt einmal das Auto ausräumen (kein Betreuer) und im Zelt so einräumen das ich einen Überblick habe und auch alles Griffbereit ist. Strom und WLAN vorhanden. Gesagt getan. Ein kleine Service- und Streckenbesichtigungssfahrt musste natürlich sein.

Tag 1: Rennbesprechung und Briefing

Hier gabs sämtliche Informationen über die Regeln der IUTA sowie die Gefahrenhinweise der Veranstalter, der örtlichen Besonderheiten, ärztliche Hilfe, Schulung über Doping und deren folgen. Verhalten im Start und Zielbereich. Nach der Athletenvorstellung mit Fototermin gabs ein gemeinsames Essen.

Start: Sonntag: 18:00 Uhr Schwimmen 38 km

Das Areal im Schwimmbad von Buchs füllt sich so langsam mit Teilnehmern, Zuschauern, Presse und Betreuern. Einige Drohnen kreisen in verschiedenen Höhen und im Hintergrund eine fantastische Bergwelt. Gegenseitige Hilfe beim Anziehen der Neopremanzüge so das ja keine Reibstellen gibt. In der Badehaube muss der Chip mit eingepackt werden. Die Getränke und Nahrung (Riegel od. feste Kleinigkeiten) durften am anderen Ende des 50 ig Meter Beckens gelagert und vom Wasser aus konsumiert werden. Ich wurde der Bahn drei zugeteilt wo auch weitere 4 Athleten Aufstellung nahmen und nach dem Startschuss gegen den Uhrzeigersinn die 760 Längen in Angriff nahmen.  Ich versuchte gleich mein Trainingstempo zu finden. Nach 4 km das sind 80 ig Längen legte ich eine kurze Trinkpause + Riegel im Wasser (Beckenrand) ein. Diese Etappen konnte ich bis km 24 ist 480 Längen beibehalten. Meine neue Etappenlänge war nun 2 km entspricht 40 Längen und ab km 32 dann 1 km das sind 20 Längen. Nach ca. 18 h15 min bekam ich unter Wasser die Anzeige Finish in 200 m das sind eben 4 Längen. Die 38 km Schwimmen in einer Zeit von gut 18 Stunden waren schon eine Herausforderung, weil man solche Distanzen weder trainiert und natürlich auch nicht weiß in welchen Zustand sich der Körper begibt. Ich habe die ganze Schwimmzeit das Becken nicht verlassen müssen und auch nicht wollen, da dies für mich keinen Sinn gemacht hätte eine Ruhe-Pause einzulegen. Meine Nahrungsaufnahme war 15 Flaschen Isotonisches Getränk 15 Riegeln, Datteln und Gummibären.

Montag: Raus aus dem Wasser, Neo, Badehaube und Brille weg.

Nach einer heißen Dusche ging ich zu meinem Rad in die Wechselzone, montierte den Chip auf dem Fußgelenk, fuhr über die Startmatte und 200 m später machte ich im Zelt Pause. Spinatstrudel mit Nachspeise und reichlich Flüssigkeit taten meinen leeren Körper schon gut. Zweieinhalb Stunden Schlaf war automatisch dabei. Ein wenig auf die Radstrecke wollte ich schon und so wars dann auch. Ich glaube so 120 km mit halber Kraft sind es dann noch geworden.

Dienstag: Jetzt heißt es Radeln. Ziel ist nach 1800 km

Ok. Der Körper scheint sich langsam wieder mit Energie zu füllen. Mein Tagespesum ab jetzt sollte schon so an die 350 km herankommen. Die Radstrecke führte vom Start und Zielbereich auf den Rheindamm Richtung Lichtenstein und nach einer Wende wieder zurück. Die 9 km waren 200-mal zu bewältigen. Die 3 m breite Straße ohne Markierungslinien und Rückstrahlenden Randsteinen waren in der Nacht schon eine Herausforderung und brauchten jede Menge Konzentration und Aufmerksamkeit da auch bei Wind und Regen fleißig gefahren wurde.

Mittwoch: Körperzustand zeigt Höchstform. Leidenschaft Faszination und Begeisterung voll im Vordergrund.

Die Radstrecke ist sehr anspruchsvoll da bei schönem Wetter ständig der Wind weht und auch öfters dreht. So muss man den Vorteil beim Rückenwind nach der Wende teuer bezahlen und teilweise am Rad stehen. Aber das ist so.   Dem Körper geht’s gut und der Kopf weiß was er zu tun hat. Eine Straßenmalerei mit Hop Ali Steirer-men gab mir kurz zu denken. Ein Überraschungsbesuch von Walter und Hannerl Bierbauer mit Enkelkindern. Hat mich sehr gefreut. Mein Plan-Soll konnte ich wieder abschließen und somit nach einem ausgiebigen Essen, duschen und von jetzt auf jetzt einschlafen. Wie lange ist mir egal.

Donnerstag: Schlechtwetter 24 Stunden Regen

Im Ultrasport ist alles wichtig, Aufstehen, Zähneputzen, WC, Körperhygiene, Essen trinken, schlafen die Ausrüstung überprüfen, Akku laden zusammenräumen usw. aber nur als Voraussetzung das man so lange wie möglich auf der Strecke sporteln kann und dem Ziel näherkommt. Also ich kann schon sagen das ich 18-20 Stunden unterwegs war. 370 km im Regen mit einigen Pausen für Bekleidung wechseln usw. Also dieser Tag hatte es schon in sich. Da gabs im Zelt nix mehr trockenes. Sogar der Schlafsack und die Wäsche, die in Taschen verpackt war, hat gestunken und war feucht. Mein Heizstrahler lief auf Voll und der Schuhtrockner ebenfalls. Aber wie ist es im Leben nach dem schlechten Wetter kommt wieder schönes Wetter

Freitag: Es läuft recht gut und bin zufrieden mit mir

Der Renntag beginnt wie immer mit aufstehen. Nach ca. 60 Radkilometer gönne ich mir ein Frühstück, das ich schon eine Runde vorher bei der Essensausgabe die 24 Std in Betrieb war, bestellt habe. Drei Käsebrote mit Tomaten, Gurkerl und einen kleinen Schwarzen. Ich habe sehr viel gegessen in der Zeit.  So mein heutiges Ziel war das für Samstag nur mehr so viele km (max.  350) übrigzulassen das ich am 7.Tag das Rad abgeben kann und die 1800 km abhacken darf.

Samstag: Radfinish mit Freudentränen nach 1800 km

So das Radfahren geht dem Ende zu, nur mehr 350 km. Ok ist auch was. Da darf man nicht glauben das dies von allein geht. 350 km sind viel am Stück, scheinen wenig, wenn man die Gesamtdistanz betrachtet, und ist wieder viel da man ja nicht frisch aufs Rad steigt, sondern auch die Vortage mit Radfahren verbracht hat. Die Sitzerei war kein Problem. In den Händen zeigt sich schon ein wenig so ein Einschlafgefühl. Nackenbereich auch in Ordnung. Beine sind sehr gut und werden auch noch länger gebraucht.  Kurz vor Mitternacht habe ich dann das Radfahren beendet. Das war für mich schon sehr emotional da ich mich sehr gefreut habe das ich da dabei sein kann und ich die zweite Disziplin geschafft habe. Das Rad kommt in die Wechselzone eine Halbzeit Trophäe wurde überreicht und ein bisserl geweint habe ich schon. Nach der Wechselzone musste ich wieder über die Startmatte und in die erste von 346 Laufrunden a‘ 1.2119 km. Nach 200 m machte ich wieder bei meinem Zelt dusch, Essen und Schlafpause.

Sonntag: Nur mehr 10 Marathon (422km)

Wolkenloses heißes Sommerwetter mit über 30ig Grad sollen uns die nächsten 5 Tage begleiten.

Tagwache Sonntag um ca. 04:30 Uhr. Alles, was mit Radfahren und schwimmen zu tun hatte wird nicht mehr gebraucht und gleich verpackt. Es schaut so zusammengeräumt aus und echt super zum Wohnen. Drei paar Laufschuhe habe ich für die täglichen zwei Marathon geplant.  Mein Marathontempo war eigentlich genau jenes das ich im Training bei den langen Läufen trainiert habe. Den ersten Marathon bin ich durchgelaufen mit Trinkpausen. Danach eine Stunde Essenspause. Den zweiten habe ich in zwei HM geteilt. Verpflegung gab es ausgiebig. 24 St. Catering mit warmen Speisen. Lauftag 1 konnte ich mit 85 km abschließen.

Montag:  Dann waren es nur noch acht.

Tagwache war immer dann, wenn ich von selbst munter wurde. Ab jetzt beginne ich immer zuerst 30ig km zu laufen und dann eine Frühstückspause einzulegen mit 3 Käsebroten und einen kleinen schwarzen, Danach Schuhe wechseln, leichter schnüren und bis km 54 durchlaufen. Große Pause mit Mittagessen, Nachspeise und Kaffee. Schuhe wechseln und die restlichen 30 km, bis ich mein Tagesziel erreicht habe. Nochmal warme Speise und Tiefschlaf bis zum aufwachen.

Dienstag:  Es sind nur noch sechs.

Um 03:30 Uhr bin ich aufgestanden hab mich gewaschen und ein wenig hergerichtet. Wie am Vortag nach ca. 30 km gab es Frühstück für mich 3 Käsesemmeln mit Tomaten und Gurken und Kaffee. Ich bin da vor dem Zelt in meinem Gartensessel gesessen und hab ein bisschen Whats-App und FB geschaut. Es war gigantisch wie viele positive Kommentare mich erreichten. Irgendwie dachte ich mir soll ich Peter Schweiberger der mich auch in Blumau auf der Laufstrecke begleitet hat, so im Spaß schreiben das es jetzt Zeit wäre das er kommt. Ich lauf rauf zum Monitor und höre, da ist der Ali. Dorli und Peter standen auf der Laufstrecke. Ich Augen zu, Augen auf und sie waren immer noch da. Peter hängte sich gleich ein und so klopften wir Runde für Runde runter, bis sein Knie zum Schmerzen begann. Für mich gings danach noch weiter, bis die 84 km voll waren.

Mittwoch:  Jetzt sind es nur noch vier.

In der Früh war wieder alles gleich. Nach dem Frühstück gabs wieder das Treffen mit den Schweibis, Begleitung mit Rad sowie zwei Runden mit Dorli. Am Abend machte ich diesmal bei km 64 Schluss. Weil meine Verfolger eh einen Abstand hatten und ich am nächsten Tag eigentlich nicht unbedingt in der Nacht finnischen wollte

Donnerstag:  Nur mehr zweidreiviertel.

In der Früh war wieder alles gleich. Nach dem Frühstück gabs wieder das Treffen mit den Schweibis, Begleitung mit Rad wie am Vortag. Um 17:00 Uhr verabschiedete sich mein Besuch und trat mit dem Nachtzug die Heimreise an Am Abend machte ich diesmal wieder die 84 km voll und danach Schluss. 29 Runden lies ich für den nächsten Tag stehen wobei ich schon schaute das mich meine Verfolger nicht in meiner Schlafphase überholen.

Freitag:  Ein schöner Tag zum finishen. (Ges. Zeit 279 Std)

Um 02:15 bin ich aufgestanden hab mich im Internet erkundigt, wo meine Verfolger sind. Da habe ich festgestellt das es für mich, wenn mir nix passiert, echt gut ausschaut. Ich bin jetzt zehner Runden gelaufen mit zwei Frühstückspausen. Danach habe ich meine Kleidung gewechselt ein wenig schön gemacht und 8 Runden mit vollem Genuss gelaufen. Die letzte Runde muss man verkehrt laufen mit der Heimatflagge in Rot-Weiß – Rot. Na, das kann was. Zieleinlauf war wunderbar und wieder standen die Tränen in den Augen. Sehr viele Fotos und Glückwünsche im Zielbereich. Die Abgabe des Chips war wie eine Befreiung einer Fußfessel. Danach ordentliche Dusche und einige Längen frei schwimmen im Buchser 50 m Becken. Danach essen, schlafen zusammenräumen.  Meine Erwartungen sind vollkommen aufgegangen, bin sehr zufrieden und es geht mir auch sehr gut. Danke an allen die mich über div. Plattformen begleitet haben mir Mut und Anerkennung zukommen liesen. Danke auch an meine Frau und Familie, die mich Tag und Nacht am Livetraker verfolgt haben. Ich habe so viele Menschen kennengelernt und besonders auch mich. Das Betreuerteam von Swiss-Ultra war einzigartig.

Samstag:  Heimreise

Nach einer super durchschlafenen Nacht habe ich mich beim Frühstück um 09:15 Uhr in Buchs von den offiziellen verabschiedet und allen die noch im Bewerb waren alles Gute gewünscht, aber schon mit dem Hintergedanken das ich bei der Schlussveranstaltung gerne dabei wäre. Heimreise geht gut. Meine Frau meinte bei einem Telefonat ich möge mich, wenn ich in Bruck an der Mur kurz melden da sie mit kochen für mich beginnt. Aha mach ich. Wie ich dann in den Breitangerweg 3/1 eingefahren bin, habe ich gewusst, warum der Anruf notwendig war. Ein echt mega netter Empfang von meinen Vereinskollegen wurde organisiert dem auch der Landeshauptmann mit Ehefrau, Bürgermeister Eva Karrer meine Familie sowie die RTT-Passail Vereinskollegen angehörten.

Schon wieder war ich nah am Wasser. Ein wenig zusammen sitzen bei Mehlspeise und Kaffee in der Garage sowie erzählen und Fragen beantworten war schon lustig. Ich habe diese Wertschätzung schon sehr genossen und war echt stolz das ich mein Vorhaben so erfolgreich abschließen konnte.

Sonntag:  Anreise zur Abschlussfeier

Zu solch einem Bewerb gehört auch ein Abschluss. Um 22:20 Uhr bin ich in Bruck a.d.Mur in den Nachtzug nach Zürich eingestiegen und am Montag um 07:00 Uhr in Buchs ausgeschlafen ausgestiegen.

Montag:  Abschlussfeier

 Ich habe mir in Ruhe das ganze noch einmal angeschaut bin auch mit einigen Helfern zusammengekommen. Um 13:00 Uhr war dann Abschluss mit perfekter musikalischer Umrandung, großartiges Bühnenbild, Videos vom Aufbau über den ganzen Bewerb. Mit Platz acht wurde ich auf die Bühne gerufen bekam vom Veranstalter eine WM-Medaille und eine Ultratrophäe überreicht. Bei der Umarmung Gratulation für meine Leistung vom Präsidenten der IUTA wurden die Augen wieder feucht.

Montag:  Heimreise

Um 22:05 bin ich in den Nachtzug nach Zagreb eingestiegen und wieder ausgeschlafen in Bruck an der Mur um 06:00 Uhr ausgestiegen. Ich habe das ganze sehr genossen, hab alles, was ich trainiert habe, abrufen können. Mental und geistig war ich absolut stark und perfekt für die Dauer und Distanzen des Bewerb‘s eingestellt. Blieb über die ganze Zeit Schmerz und Verletzungsfrei. War jeden Tag bereit die Herausforderung anzunehmen, am Ende des Tages war die Müdigkeit so groß, dass ich sofort in einen Tiefschlaf wechselte, und nach dem Aufwachen war die Begeisterung, Leidenschaft und Faszination Ultrasport wieder voll da. Was ich als nächstes mache kann ich nicht sagen, es gibt so viele Möglichkeiten sich in der schönen Natur im Ausdauerbereich zu betätigen. Wann ich aufhöre? Die Frage stellt sich für mich nicht, weil das einzig und allein von meinem Gesundheitszustand abhängt.

Bewegung ist und bleibt die beste Investition in die geistige und körperliche Gesundheit lg ali

Ironman 70.3 EM 2012

Race Day

 

Am recht frischen Sonntagmorgen wars dann endlich so weit: Nach einem 1,5km Fußmarsch vom Hotel weg waren wir direkt beim Schwimmstart. Die allgemeine Atmosphäre unter den rund 2.200 Teilnehmern war wie immer angespannt und leicht nervös, was mich mich natürlich nicht von meiner üblichen blöden Rederei und ein paar Schmés abhielt (oder noch mehr dazu ermutigte… ;-)) Ich war recht gut drauf und wollte ein lockeres Rennen machen und trotzdem voll attackieren! Um 7:45 Uhr wars dann endlich so weit: 15 Minuten nach den Profis und 10 Minuten nach dem gesamten Damenfeld und der Herren ab 50 Jahre viel der Startschuss für die dritte Startwelle der 18 – 30 Jährigen bei bereits herrlichem Morgensonnenschein.

Der Start zur Auftaktdisziplin lief für mich aber denkbar ungünstig: Ich wollte eigentlich in der ersten Reihe sehr zügig wegschwimmen um der üblichen Schlägerei zu entgehen, doch gerade beim Startschuss drehte sich eines der Kajaks, die uns an einem vorzeitigem Start hindern sollten, genau vor mich und ich musste herumschwimmen, womit ich dann mittendrin statt nur dabei war! Und dann war es auch schon so weit: Vitali Klitschko hat zum ersten Haken angesetzt: Einer meiner Mitstreiter verpasste mir so eine aufs Kiefer, dass ich mal kurzzeitig ziemlich „damisch“ war, ein bisschen die Orientierung verlor und überlegte mal kurz auf die Seite zu schwimmen und mich zu erholen, aber nix da: Der nächste Schlag auf den Hinterkopf folgte sogleich. Der KO-Schlag?! Nein nichts da… der hat mich wieder ein bisschen aufgeweckt und ich konzentrierte mich wieder voll auf denn Bewerb und stürzte mich mit der engsten Linie zu den nächsten Bojen (blöderweise blieb ich sogar bei einer kurz hängen bei einer Schnur). Nach etwa 400m wurde es für mich zum Alleingang, da ich versuchte eine eigene Linie um die interessant gesetzten Bojen zu schwimmen. Nach 800m war ein kurzer Landgang und von da an sah ich bis zum Ausstieg keinen einzigen aus meiner Startwelle mit den silbernen Badehauben wieder. Zu groß war die Masse an rosaroten und orangen Hauben der Frauen und betagten Herren. Leider verkamen die restlichen 1,1km ein bisschen zum Slalomschwimmen und ich hatte keine Ahnung ob das gut war, dass keiner von meiner AK mehr da war oder ganz schlecht.

Umso größer war dann die Freude nach dem Blick auf die Uhr und die Fahrradständer in der Wechselzone. Mit 28:12 Minuten wars mal der 9. Zwischenrang in der AK und overall 142.

Voll motiviert gings auf die Radstrecke mit vollgas vom ersten Meter an. Ich hatte mir erhofft mit Sebastian Gaugl, mit dem ich zusammen aus der Wechselzone kam, zusammen Tempo machen zu können, dieser erwischte aber nicht den aller besten Tag und wollte das Tempo nicht mitgehen. Somit wurde es zum üblichen Alleingang von hinten. Weiterhin war viel Verkehr auf der Strecke, den ich bei den Überholmanöveren durch den starken Seitenwind aber eher als positiv empfand, aber nach einigen Kilometern war diese Startwelle dann hinter mir gelassen. Dabei wurde ich bereits von Anfang an von einem Wettkampfrichter-Motorad begleitet. Nach ca. 25km schloss der gleichaltrige Deutsche Philipp Mock (bester Amateur und Gesamt 7. beim Ironman Regensburg 2012) auf mich auf und ich führte bis zum langen Anstig aufs Taunusgebirge wo wir uns hinaufpushten und uns an die Spitze der Altersklasse setzten (dessen war ich mir noch nicht bewusst). Auch über die nächsten Hügel trieben wir uns gegenseitig hinauf bevor ich mich die letzten 25, 30km wieder von vorne fuhr. Immer noch von Wettkampfrichter 5 begleitet 😉 Also wer uns unfaires Fahrverhalten nachsagen will: Fehlanzeige! 😉
Nachdem die knapp über 90km und 1500hm in 2:35h nur knapp über 7min. langsamer als Europameister Michi Raelert bewältigt waren gings auf die Laufstrecke und der Sprecher nahm die Worte in den Mund die ich noch nicht erwartet hätte: Christoph Schlagpower (das kann ein Ami nur so aussprechen), Leader of M18!

So gings auf die erste von 4 nicht so einfachen Runden, eigentlich wie angerichtet für mich: Nicht komplett flach, teilweise Asphalt, Schotter oder Pflasteruntergrund und uneben. Die erste Runde lief ich ein subjektiv sehr lockeres Tempo und ließ die unglaubliche Kulisse auf mich einwirken. In der 2. Runde überholte mich gleich einmal ein Belgier mit immensen Tempo, dss ich nicht gleich mitgehen wollte. Schlecht war nur dass ich nicht bemerkte, dass er M25 war und nicht wie ich vermutete M18. Wenig hinter ihm kam der Deutsche Sebastian Guhr, dessen Tempo ich dann aufnahm und super mitgehen konnte! Noch am Ende dieser Runde war ich dann dem Temporausch verfallen, wurde übermütig und wollte nach vorne zum Belgier, wobei ichBasti wieder stehen ließ. Am Ende der 3. Runde waren die Wadl dann so „fertiggfoahrn“ und die Bergaufpassagen der 4. Runde waren reiner Kampf. Ca. 2, 3 km vor dem Ziel schoss Basti wieder an mir vorbei und ich hatte keine Chance mitzugehen, zu stark war er an diesem Tag nachdem ich in St. Pölten noch einen Rang vor ihm gefinisht hat. Trotzdem war die Frude groß, als ich getrieben von der Zuschauermasse nach ein wenig Quälerei das Ziel erreichte! Nach wenigen Minuten hatte ich mich auch schon wieder erholt (unglaublich viel schneller als in St. Pölten) und es gab folgendes zu resümieren:
Mit 4:30h Stunden kam ich mit ein wenig mehr als 10% hinter dem Europameister Michi Raelert als Vizeeuropameister der U24 ins Ziel, womit ich als 7. bester Amateur Gesamtrang 28 belegte. Damit wurde ich auch bester Österreicher!

sieger

Siegerehrung im Kurhaus Wiesbaden (by triaguide)

Erhofft hab ich mir eine Medaille und dass es wirklich die Silberene geworden ist erfreut mich dann umso mehr. Viele stundenlange harte Arbeit, aber auch ein lockeres und positives Rangehen an so eine Sache stehen dahinter. Aber natürlich auch eingige Unterstützer: Ein großes Dankeschön gilt vorallem der Frissenbichler GmbH sowie der OVB Gleisdorf, dem RTT-Passail und Erdinger Alkoholfrei sowie meinen Austattern!!!
Jetzt gehts aber ja noch weiter! Das war nur ein Schritt Richtung Saisonhöhepunkt WM in Las Vegas! Meine Erwartungen dafür hört Sportminister Darabos bestimmt nicht so gerne, aber es geht mir vor allem darum wieder Erfahrung zu sammeln und das flair genießen. Aber natürlich wird alles gegeben und bei einem Top Rennverlauf sollte auch dort eine sehr gute Platzierung möglich sein!

Ironman 70.3 Austria 2012

Bei Traumwetter gings dann Sonntag früh für ca. 2500 Starter (unter ihnen 100 Profis) los.

Dabei konnte ich mit einer Zeit von 4:17:17 den 2. Rang bei den Amateuren und in der M18 und damit den 29. Gesamtrang belegen.

Unser Obmann comebackte auf der 70.3 Distanz nach seiner Verletzung in unglaublichen 4:30:41 und wurde in der M25 12. Hier sein bericht und weiter unten meiner:

 

Rennbericht Michi Schaffer:

Ich war selten vor einem Rennen, so ruhig und gelassen wie vor diesem, denn ich wusste ich kann nur gewinnen, nach so einem harten Jahr wie ich hinter mir habe. Nichts desto trotz stellte sich am Tag des Rennen id Früh aber trotzdem eine Nervosität ein. Diese verschwand aber mit dem Startschuss des Rennens sofort! Das Schwimmen war für mich der reinste Genuss! Vor einer Woche am Stubenberg noch regelrecht gestorben, schwamm ich diesmal absichtlich ganz locker weg, fand meinen Rythmus, und dachte nach 1,9km super, war echt schön, aber mehr anstrengen hätt ich mich schon können.. Dann ging es aufs Rad! Normal meine Lieblingsdisziplin, aber eines vorweg, für mich war es wirklich sehr schwierig nach weit über einem Jahr ohne Renn(Zeitfahr)kilometer in den Beinen, die richtige Pace zu finden.. Ich fuhr es zügig an, merkte ziemlich bald, dass ich dieses Tempo sicherlich leicht halten kann, und fuhr das ohne auch nur einmal in die Nähe meines Limits am Rad zu kommen durch! Mir ging auch meine Bereitschaft ab, mich quälen zu können bzw. zu wollen so wie früher, wo ich auf Teufel komm raus wie ein Henker am Rad fuhr.. Am Rad hatte ich schon ein wenig Angst vor dem Halbmarathon, ich fühlte mich zwar in letzter Zeit wohl beim Laufen, aber bei dieser Hitze, und meine falsch angelaufenen Halbmarathons im Hinterkopf, begann ich kontroliert, und merkte ich bin muskulär noch ziemlich gut beinander! Ich fühlte mich von Meter zu Meter wohler auf dem Halbmarathon und hatte trotz der Renndauer, und der Belastung große Freude zu laufen…Als ich bemerkte, dass ich von niemanden überholt wurde beim Laufen, und nur am Überholen war, nahm die Freude noch mehr zu, und genoss förmlich dieses Rennen…
Im Ziel war ich überglücklich nach dem letztem Jahr nochmal so ein Rennen machen haben zu können, und wusste auch gleichzeitig, dass ich einen möglichen WM Slot sicher nicht nehme, und jetzt mal auch das Leben so richtig genießen werde und nicht nur die „Rennen“!

 

Rennbericht Christoph Schlagbauer:

Sonntag, 7 Uhr 5 Minuten: Der Tag war bereits ein paar Stunden alt, früh läutete schon der Wecker um zu Frühstücken! Wecker nämlich… sowas braucht man an so einem Tag nicht: Meine innere Uhr sagte mir bereits 10 Minuten davor um 4:30 dass es Zeit ist heute ein Rennen zu machen, ich war hellwach und motiviert bis in die Haarspitzen 😉 So wieder zurück nach 7:05: Startschuss und los ging es in die ca. 15 – 16 Grad warmen Seen! Meine Startposition habe ich super gewählt, ganz innen beim Steg erste Reihe, für die die auch dort waren. Es ging los auf die erste Boje zu nach ein paar hundert Meter und ich stellte mich auf eine Mörder Schlägerei ein… aber nichts dergleichen. Ich konnte fast seelenruhig ganz innen die ersten beiden Bojen umrunden, nur ein paar Schläge auf Kopf und Rücken, mehr wars nicht… zu diesem Zeitpunkt erahnte ich bereits, dass es heute sehrsehr gut gehen könnte, so sagte es mir mein Gefühl. Nach 1000m gings erstmal raus aus dem Wasser um nach einem 200m Landgang noch 900m in einem anderen See zu schwimmen und in die erste Wechselzone zu eilen. Mit dieser war ich von der Zeit her wie so oft nicht zufrieden, da herrscht definitiv Nachholbedarf.

Nun gings aufs Rad. Der Blick auf die Uhr nach dem Schwimmen motivierte mich extrem. Eine für mich geniale Zeit und meine guten Disziplinen sollten erst kommen. Aber ich musste schauen, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht zu euphorisch und übereifrig werde und versuchte die ersten Meter durch St. Pölten ein bisschen runter zu kommen. Dann gings für 18km auf die Autobahn und ich tat sehr gut daran den Rat vom Headcoach zu befolgen: „Bitte schieß dich nicht auf der Autobahn ab! Das verleitet so sehr zum Zu-schnell-anfangen, bitte halt dich bloß zurück!“ Er hat mir dabei so sehr ins schlechte Gewissen geredet, dass ich mich sogar freiwillig überholen ließ ;-). Aber er behielt sowas von recht! Erster Anstieg nach Krustetten rauf: alle zurückeingeholt und distanziert! 🙂 Und dann folgte die Tempopoltzerei durch die Wachau! Mit fast durchgehend 47, 48 km/h gings Richtung Anstieg nach Gansbach rauf, wo ich mitten im Männerprofifeld, das 5 Minuten vor mir gestartet war, angelangt bin. Es macht mir so einen Spaß zu diese Zeitpunkt und die an die 10km Anstieg, wo ich Athleten um Athleten stehen lassen konnte, ließen zahlreiche zache Trainingseinheiten vergessen! Dann gings in vollem Tempo zurück hinunter in die Landeshauptstadt St. Pölten (mit einem kleinen Zwischenanstieg) zum Laufen.

Davor aber noch die beste Splitplatzierung des Tages: Sofern ich niemanden übersehen habe, war ich mit meiner 2. Wechselzone in 2:04 der 2. schnellste hinter Filip Ospaly (Tagessieger) 🙂 Wobei mir schon klar ist, dass ich damit allein nicht viel gewinnen kann, aber lustig ists trotzdem wenn man bedenkt wie dicht und top besetzt doch das Starterfeld war…

Das Drauflaufen war dann von Zurückhaltung geprägt. Ich wusste dass ich die letzten 5 Wochen verletzungsbedingt extrem wenig gelaufen bin und mir einige km fehlten. Aber die Grundlage war da und auf der baute ich auf. Mit einem durchgehenden 3:45er – 3:49er Schnitt konnte ich die ersten 17km wirklich extreeem konstant laufen und fühlte mich sowas von locker… Unterhaltungen waren keinen Problem. Dann wollte ich das Tempo steigern und es kam wieder wie in Großsteinbach, der Magen wollte krampfen. Anders als dort hab ich mit meiner Hand mit voller Kraft auf den Schmerz gedrückt und nach einem KM war er weg… leider geil. Und so konnte ich dann erfolgreich finishen, war aber doch voll am Ende meiner Kräfte und hab alles gegeben: All Out eben!!!

Resümieren fällt mir noch schwer muss ich ehrlich sagen: die Zeit von 4:17 war gestern so viel Wert! Es war echt schwer! Jeder der am Start war kann das bestimmt bestätigen. Und die Platzierung in diesem unglaublichen Feld trägt den Rest zu meiner unendlich großen Zufriedenheit bei. Gibt selten Tage wo einem alles so aufgeht wie an diesem!